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2017  Die dreizehnte Reise

24.09.17 – 10.10.17

Teilnehmer: Ida Warnking, Anke Zimmer, Marie-Corentine Sandstede

Ida war nach dem Abitur als Helferin in Ruanda tätig. Sie berichtet über ihre Eindrücke auf dieser Reise nach Burkina Faso.


Endlich geht es los!
Im Flugzeug steigt die Aufregung: Ich war noch nie in Burkina Faso und jetzt, ein Jahr nach meinem Abitur, werde ich doch noch unser Projekt vor Ort sehen und die Menschen kennenlernen, von denen in den letzten Jahren in der Boumdoudoum - AG  so oft die Rede war.
Kurz vor der Landung sehe ich gespannt aus dem Fenster, weil ich einen ersten Eindruck von der Stadt bekommen möchte, aber außer vielen Lichtern ist nicht viel zu sehen. Dies war vor 11 Jahren noch anders: Frau Sandstede erzählt mir, dass sie bei ihrer ersten Landung fast keine Lichter gesehen hat.
An der Gepäckausgabe folgt ein kurzes Bangen, aber unsere Koffer sind alle angekommen. Am Flughafen werden wir schon von Moussa, unserem Fahrer für die nächsten Tage und von Remy, einem Mitglied des Boumdoudoum - Komitees erwartet.
Sprache
Schon im ersten Kontakt fällt auf, wie viele Menschen in Burkina Faso gutes Französisch sprechen, obwohl es sich von dem in Frankreich gesprochenem Französisch unterscheidet. Das „R“ wird hier zum Beispiel sehr viel stärker gerollt.
Wenn ich angesprochen wurde, aber keine Notwendigkeit für ein Gespräch bestand, dann habe ich manchmal so getan, als würde ich nur Englisch sprechen, das wurde dann ziemlich lustig, denn Englisch ist in Burkina Faso nicht sehr verbreitet.
Klima
Wir sind um 21 Uhr in Burkina Faso angekommen und als wir aus dem Flugzeug gestiegen sind, waren es immer noch mollige 25 Grad.
Tagsüber ist die Hitze manchmal kaum auszuhalten. Da werden es mal eben 38°C. Deswegen sind wir morgens immer schon gegen sieben/ halb acht aufgebrochen. Oft sind wir Auto gefahren oder haben im Schatten Gespräche geführt und trotzdem lief uns der Schweiß.
Verkehr
Die Straßen sind hier etwas anders als in Deutschland. Selbst in der Hauptstadt Ouagadougou gibt es immer wieder Schlaglöcher oder unbefestigte Wege. Um 22 Uhr gibt es nicht mehr viel Verkehr, nur noch einige Motorräder.
Alle Straßen sind am Tag voll von Motorrädern, auf denen manchmal ganze Familien ohne Helm sitzen. Außerdem gibt es viele kleine Stände am Straßenrand, an denen Rücksäcke, Kleidung und vieles mehr verkauft wird. Es ist so voll, dass wir fast eine Stunde brauchen, um von unserem Hotel in die Innenstadt Ouagadougous zu kommen. Nachts haben wir eine ähnliche Strecke in ca. 20 Minuten zurückgelegt.

Wenn man aus dem Fenster  sieht, fällt einem auf, dass sehr viel Plastikmüll herumliegt. Das ist in Ouagadougou extrem, aber auch in Koupéla und selbst in Boumdoudoum sieht man viel Plastik am Straßenrand. Das liegt daran, dass die Burkinabé ihren Müll dort liegen lassen, wo sie ihn verursachen. Das Plastik wird an manchen Stellen gesammelt und verbrannt, was sehr stark stinkt und nicht gesundheitsfördernd ist.
Der Bus, mit dem wir während unserer Reise gefahren sind, war super! Eine Federung gibt es zwar nicht und richtig gemütlich sind die Sitzbänke auch nicht, aber da er eigentlich für 15 Personen gedacht ist und wir zu fünft reisen, gibt es viel Platz.


Vier Stunden braucht man mit unserem Klapperbus für die 170 km von Ouagadougou nach Koupéla. Die Straße ist etwas holprig und von Zeit zu Zeit kamen uns sehr überladene Busse entgegen. Manchmal sitzen sogar noch Personen oben auf dem Dach. (Häufiger bei innerstädtischen Fahrten als auf Überlandfahrten)

Der Weg von Koupéla nach Boumdoudoum ist auch etwas, das man in Deutschland so nicht finden würde, jedenfalls nicht als offizielle Verbindung eines Dorfes zur nächsten Stadt. Nachdem man von der Teerstraße abfährt, gibt es sehr viele Schlaglöcher. An einigen Stellen ist der Weg so schmal, dass man nur die Hand aus dem Bus strecken muss, um die Felder rechts und links berühren zu können.

Auf dem Rückweg von Boumdoudoum nach Koupéla ist es dann passiert: Wir sind über ein größeres Schlagloch gefahren und es hat einen lauten Knall gegeben, Moussa hat direkt angehalten. Es sah so aus, als ob die Verbindung zu der Hinterachse einfach durchgebrochen wäre. Weiterfahren – unmöglich.
Also hieß es erstmal warten. Aber nicht allzu lange. Schnell wurden ein paar Freunde angerufen, die uns mit Motos abgeholt und zurück nach Koupéla gebracht haben. Das war genial! Allerdings sind wir orange in der Mission (unserem „Hotel“) angekommen. Auf der asphaltierten Straße sind uns nämlich mehrere Baustellenfahrzeuge entgegen gekommen und haben ganz schön viel Staub aufgewirbelt.
Wohnen
Die meisten Regierungsgebäude, Hotels und große Firmen sind  in Burkina Faso mehrstöckig, aber die „normalen“ Häuser haben nur eine Etage.
Dies gilt auch für das Haus, in dem momentan fünf unserer Schüler in zwei kleinen Räumen wohnen. Oft steht auch noch ein Motorrad mit im Wohnzimmer, wo drei der Jungs schlafen. Die Toilette befindet sich nicht im Haus, sondern in einem kleinen Gebäude am Anfang des Hofs und wird von allen Bewohnern der vier kleinen Wohnungen genutzt. Dafür gibt es aber eine Dusche und ein Waschbecken in der Wohnung.
Vor der Wohnung steht eine große Tafel, auf der nachmittags die Hausaufgaben gemacht werden. Die Schüler lernen mit diesen Tafeln, da Papier relativ teuer ist und so weniger verbraucht wird.
In der Wohngemeinschaft  gab es Probleme mit der Wasser- und der Stromabrechnung. Der Strom funktioniert nämlich wie ein Prepaid Handy. Das heißt, er muss immer wieder aufgeladen werden und kann irgendwann verbraucht sein. Da das ganze System über den Vermieter läuft, kam es manchmal zu Schwierigkeiten, sodass es weniger Strom gab als eigentlich bezahlt.
Das Wasser wird von allen vier Haushalten gezahlt, sodass nicht immer klar ist, wie viel ein Haushalt verbraucht, da es keine individuellen Zähler gibt. Jetzt werden die gesamten Kosten durch alle anwesenden Personen geteilt und jeder zahlt den gleichen Anteil.
Einkaufen
Die erste halbe Stunde Freizeit, die wie hatten, wurde direkt genutzt, um Stoffe zu  kaufen. In Burkina Faso wird in kleinen Läden, auf dem Markt und auf der Straße eingekauft.
Viele Frauen tragen hier noch Kleider aus bunten Stoffen, sodass man das Gefühl hat, man geht durch ein Farbenmeer.
Um diese Stoffe zu bekommen, sind wir zu einem Hinterhof gefahren, in dem es sehr viele Stoffe gab. Aufgrund unserer Hautfarbe waren wir eine kleine Attraktion, sodass uns viele Leute beim Aussuchen helfen wollten. Etwas anstrengend war es schon, vor allem, weil es sehr heiß war, aber viel Spaß gemacht hat es auch.
Es gab auch keine Festpreise. Wir haben die Stoffe ausgesucht und dann wurde gehandelt. Man kann davon ausgehen, dass die Händler mit einem zu hohen Preis anfangen, aber wenn man geschickt ist, dann kommt man auf einen besseren Preis.
Viele Europäer sind das Handeln nicht gewöhnt, weswegen sie sich oft nicht trauen, mit einem richtig tiefen Preis anzufangen, aber mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Die Händler haben ziemlich witzig geguckt, als ich angefangen habe, niedrige Preise zu nennen, aber nach zwei Angeboten haben sie gemerkt, dass es mir ernst war und wir sind am Ende auf einen ganz fairen Preis gekommen. (Denke ich.)
In Ouagadougou gibt es auch einen großen Supermarkt. Der ist ziemlich europäisch und die Leute, die dort eingekauft haben, sahen relativ reich aus. Der Supermarkt wurde von zwei Soldaten mit Gewehren bewacht, aber sonst gibt es hier nicht annähernd so viel Militär und Wachpersonal, wie in Ruanda, aber immer noch sehr viel mehr als in Deutschland.
In Koupéla haben wir uns außerdem die Boutique von einer Mitarbeiterin des Boumdoudoum Komitees angesehen. Ihr Hauptberuf ist Lehrerin, aber als Nebenjob leitet sie einen kleinen Laden, in dem man Haarverlängerungen kaufen kann.
Außerdem waren wir auch auf dem Markt von Koupéla: Interessant, aber nicht wirklich entspannt. Wir wurden ziemlich oft angesprochen und es war heiß und hat dezent gestunken. Am Ende waren wir alle - glaube ich - froh, als wir aus dem Gedränge wieder heraus waren.
Insgesamt ist hier alles sehr viel bunter, lauter und wuseliger als in Oldenburg.
Rollenverständnis
Männer stehen in Burkina in der Gesellschaft über den Frauen, und dürfen dadurch alles bestimmen. Bis vor kurzem brauchten Frauen die Einwilligung ihres Mannes oder des Bruders, um ein Bankkonto zu eröffnen. Wenn der Mann stirbt, erbt dessen Bruder das Feld und die Frau gleich mit. Außerdem dürfen Männer mehrere Frauen haben.
Dadurch hat sich bei einigen Männern die Überzeugung herausgebildet, dass sie sehr viel intelligenter als Frauen sind und in allem besser.
Mit dem Schulleiter Boumdoudoums hatte ich eine ziemlich große Diskussion, da er der Meinung war, dass Frauen keine Führungsrollen übernehmen können. Da wir beide bei unserem Standpunkt geblieben sind (die ganze Diskussion war auf Französisch), kam es zu keinem Ergebnis, aber ich hoffe, er hat dadurch etwas über das Rollenverhältnis nachgedacht.
Die Frauen hier wehren sich auch nicht richtig gegen diese Gesellschaftsordnung. Da das Rollenverhältnis schon seit Generationen so ist, nehmen viele dieses Bild als gegeben hin, aber so langsam verändert sich etwas. In Ouagadougou versuchen einige Frauen, nach dem Tod des Mannes oder einer Scheidung (was sehr selten vorkommt), ihr Land zu behalten und für sich selber zu sprechen.
Bis zur Gleichberechtigung, vor allem in ländlichen Gebieten, ist es aber noch ein weiter Weg.

Chef
In Bukina Faso spielen die so genannten „Chefs“ immer noch eine große Rolle. Die sind Männer, die die Führung in einer Stadt, einem Dorf oder einer Region übernehmen und von der Bevölkerung als Leitung anerkannt werden. Vor einigen Jahren hat die Regierung versucht, diese zu entmachten und durch Politiker zu ersetzen, da der Posten des Chefs vererbt wird. Das ist aber nicht gelungen, weil die Bevölkerung weiterhin mit ihren Problemen zum Chef gegangen ist. Inzwischen gibt es eine Kooperation zwischen den Chefs einer Stadt und den umliegenden Dörfern und den Politikern. Bei großen Problemen kann ein Chef auch abgesetzt werden und ein neuer wird gewählt. Das passiert allerdings nicht sehr häufig.
Der Chef von Boumdoudoum ist gewählt worden, da er der reichste Mann im Dorf ist und weil sein Vater schon Chef war. Und das, obwohl er bei seiner Arbeit als Schweißer erblindet ist. Dies  ist in Burkina Faso eine Besonderheit, da Menschen mit Behinderung eigentlich nicht am allgemeinen Leben teilnehmen und auch nicht gerne gesehen werden.

Jeder Chef hat seine Minister. Dies sind ältere, wohlhabende Männer, die den Chef beraten. Bei Treffen sitzt der Chef auf einem Stuhl und seine Minister auf einer Matte daneben.


Botschaft
Wart Ihr schon mal in einer Botschaft? Ich nicht. Die deutsche Botschaft in Burkina Faso ist sehr gut gesichert.
Zunächst musste man seinen Pass abgeben und danach durften wir nur einzeln durch das erste Tor gehen. Dieses wurde hinter einem geschlossen und man musste durch einen Metalldetektor wie am Flughafen. Handys und alle anderen elektronischen Geräte mussten hier in ein Schließfach gelegt werden. Danach durfte man durch das zweite Tor gehen und das Gelände der Botschaft betreten. Erst wenn das Tor wieder geschlossen war, durfte der nächste durch das erste Tor eintreten.


Bürgerwehr
In Burkina Faso gibt es seit einigen Jahren Bürgerwehren. Vom Militär und der Politik sind sie nicht sehr gern gesehen, denn sie bestehen aus Männern aus den Dörfern, die keinerlei Ausbildung absolvieren. Sie melden sich freiwillig, um im und um das Dorf zu patrouillieren. Die Bürgerwehr von Boumdoudoum besteht aus ca. 20 Leuten, und wenn wir durch das Dorf gefahren sind, haben uns immer zwei auf einem Motorrad begleitet.


Dies ist  eine kleine Zusammenfassung meiner Eindrücke aus Burkina Faso.
Endlich habe ich die Menschen, von denen so oft in der BDD – AG die Rede war, persönlich kennen gelernt. Ich habe die Schule, das Dorf und vieles mehr gesehen und noch viel mehr erlebt.  Ich glaube (und hoffe), dass dieses nicht meine letzte Reise nach Burkina war.

 



 

 

 

 

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